Zum Inhalt springen

Ratgeber · Zahlungen

Gefälschte Rechnung erkennen

Gefälschte Rechnungen kommen meist per Mail und sehen echt aus. Sieben Merkmale helfen beim Erkennen. Das wirksamste Mittel bleibt einfach: ein Rückruf unter einer Nummer, die Sie selbst kennen.

Die sieben Merkmale

Ein Merkmal allein beweist nichts. Treffen zwei zusammen, etwa eine neue IBAN und Zeitdruck, halten Sie die Zahlung an und prüfen.

1

Neue Bankverbindung

Die Mail meldet eine neue IBAN, oder auf der Rechnung steht eine andere als bisher. Das ist das wichtigste Zeichen. Echte Wechsel gibt es auch, deshalb prüfen Sie jeden.

2

Zeitdruck

«Heute noch», «dringend», «sonst Mahnung». Druck soll verhindern, dass Sie nachfragen. Das BACS nennt dringende Zahlungen ins Ausland als typisches Muster.[2,3]

3

Diskretion

«Ich verlasse mich auf Ihre Diskretion»: So zitiert das BACS typische Betrugsmails. Wer Geheimhaltung verlangt, will den Rückruf verhindern.[2]

4

Abweichende Antwortadresse

Der angezeigte Absender stimmt, aber die Antwort geht an eine andere Adresse. Sie sehen das erst, wenn Sie auf «Antworten» klicken und die Adresse lesen.

5

Doppelgänger-Domain

Ein Zeichen anders: «rn» statt «m», «.co» statt «.ch», ein Bindestrich mehr. Solche Adressen nennt das BACS als Werkzeug der Täter.[2]

6

Rechnung nur «im Anhang»

Der Mailtext ist kurz und verweist nur auf ein PDF oder einen Download-Link. Vergleichen Sie das PDF mit früheren Rechnungen desselben Lieferanten. Öffnen Sie keine Links aus unerwarteten Mails.

7

Ungewohnter Absender

Ein Lieferant, mit dem Sie noch nie zu tun hatten. Ein «Anwalt» einer bekannten Kanzlei. Der Chef von einer privaten Adresse. Das BACS warnt ausdrücklich vor falschen Anwälten Schweizer Kanzleien.[2,3]

Vor dem Zahlen: der Rückruf

Ein Mailfilter prüft, ob der Absender echt ist. Ist das Konto des Absenders übernommen, ist er echt. Dann hilft nur noch die Frage an einen Menschen, über einen zweiten Weg.

  1. Rufen Sie an, unter einer bekannten Nummer

    Aus dem Vertrag, einer früheren Rechnung oder Ihrem Adressbuch.

  2. Nie die Nummer aus der Mail

    Auch nicht die aus der Signatur. Sie kann dem Täter gehören.

  3. Nicht per Antwort nachfragen

    Ist das Postfach übernommen, antwortet der Täter.

  4. Bankwechsel zu zweit freigeben

    Eine neue Bankverbindung erst nach dem Rückruf erfassen, und von einer zweiten Person bestätigen lassen.

  5. Intern nachfragen

    Auch wenn die Mail Diskretion verlangt. Eine echte Chefin hat nichts gegen eine Rückfrage.

Aus der Praxis

Bei einem Berner Familienunternehmen kam eine Zahlungsanweisung aus dem echten, übernommenen Konto einer internen Person – mit neuer Bankverbindung und Zeitdruck. Mailfilter sahen nichts, weil der Absender echt war.

Wie häufig das ist

  • 970 Meldungen zu CEO-Betrug erhielt das Bundesamt für Cybersicherheit BACS 2025, nach 719 im Vorjahr.[1]
  • 132 Meldungen betrafen manipulierte Rechnungen (2024: 114).[1]
  • Die Täter recherchieren laut BACS auf der Website, auf LinkedIn und im Handelsregister.[2]
  • 42 % der Schweizer KMU fühlen sich gegen Cyberangriffe geschützt, im Vorjahr waren es 55 %. Die Mobiliar nennt per E-Mail manipulierte Rechnungen als gängige Methode.[4]

Wer haftet, wenn das Geld weg ist?

Das hängt vom Einzelfall ab. Eine allgemeine Regel gibt es nicht, und diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Massgebend sind etwa der Vertrag mit dem Lieferanten, die Bedingungen Ihrer Bank und die Frage, wer welche Sorgfalt eingehalten hat. Lassen Sie den Fall von einer Fachperson prüfen.

Prüfen Sie Ihre Versicherung. Eine Cyberversicherung deckt Betrug durch Täuschung (Social Engineering) nicht immer. Bei Zurich zum Beispiel ist er nur im Paket «Optimum» gedeckt. Fragen Sie Ihren Versicherer, was Ihre Police abdeckt.[5]

Melden

  • Beim BACS über das Online-Meldeformular. Jede Meldung hilft, andere zu warnen.[6]
  • Ist Geld geflossen: Strafanzeige bei der Polizei Ihres Kantons, und sofort Ihre Bank anrufen.

Schon gezahlt? Die Schritte in der richtigen Reihenfolge: Falsche IBAN auf der Rechnung – was jetzt

Für Ihr eigenes Unternehmen: SPF, DKIM und DMARC

Diese drei Einträge in Ihrer Domain legen fest, wer in Ihrem Namen Mails versenden darf. Mit DMARC «p=reject» weisen empfangende Server gefälschte Mails mit Ihrer Absenderadresse ab.

Das schützt Ihre Kunden davor, gefälschte Rechnungen «von Ihnen» zu bekommen. Fragen Sie Ihren IT-Dienstleister, ob die Einträge gesetzt sind.

Gegen ein übernommenes, echtes Konto helfen SPF, DKIM und DMARC nicht. Die Mail kommt dann tatsächlich vom richtigen Server. Dafür bleibt der Rückruf.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich eine gefälschte Rechnung per Mail?

An sieben Merkmalen: neue Bankverbindung, Zeitdruck, Bitte um Diskretion, abweichende Antwortadresse, Doppelgänger-Domain, Rechnung nur im Anhang oder hinter einem Link, ungewohnter Absender. Treffen zwei zusammen, halten Sie die Zahlung an und rufen den Absender unter einer bekannten Nummer an.

Was tue ich, wenn ein Lieferant eine neue IBAN meldet?

Rufen Sie den Lieferanten unter einer Nummer an, die Sie schon kennen, etwa aus dem Vertrag oder einer früheren Rechnung. Nie unter der Nummer aus der Mail. Erfassen Sie die neue Bankverbindung erst nach dem Rückruf und lassen Sie sie von einer zweiten Person freigeben.

Wer haftet bei einer gefälschten Rechnung?

Das hängt vom Einzelfall ab, etwa vom Vertrag, von den Bedingungen der Bank und davon, wer welche Sorgfalt eingehalten hat. Lassen Sie den Fall von einer Fachperson prüfen und fragen Sie Ihren Versicherer: Cyberversicherungen decken Social Engineering nicht immer.

Wo melde ich eine gefälschte Rechnung?

Beim Bundesamt für Cybersicherheit BACS über das Online-Meldeformular. Ist Geld geflossen, rufen Sie sofort Ihre Bank an und erstatten Strafanzeige bei der Polizei Ihres Kantons.

Allgemeine Hinweise, keine Rechtsberatung. Stand November 2026.

Wo Protime hilft

Neu · in EinführungDer Zahlungswächter läuft seit Oktober 2026 in einer Lernphase und zeigt noch nichts an. Die Hinweise schaltet Protime nach dieser Lernphase frei.

Protime arbeitet in Ihrem Postfach, in Outlook oder Gmail, und kennt Ihre Absender. Schon heute warnt der Antwortentwurf, wenn eine Mail eine neue Bankverbindung ankündigt, und wenn die Firma dahinter im Handelsregister im Konkurs steht.

Der Zahlungswächter achtet zusätzlich auf eine Bankverbindung, eine Zahlungsanweisung oder eine Antwortadresse, die nicht zum gewohnten Muster dieses Absenders passt, und schlägt dann den Rückruf vor.

Protime verhindert keine Zahlung. Anrufen und entscheiden tun Sie.

Quellen

  1. [1] BACS-Jahresbilanz 2025, netzwoche, 06.01.2026
  2. [2] BACS warnt vor anhaltendem CEO-Betrug, netzwoche, 28.01.2026
  3. [3] Vorsicht vor CEO-Betrug, law.ch, Februar 2026
  4. [4] Studie KMU-Cybersicherheit 2025, Mobiliar / digitalswitzerland
  5. [5] Zurich: Cyberversicherung für KMU
  6. [6] BACS: Cybervorfall melden